Es gibt Organisationen, die kommunizieren zu wenig.
Viel häufiger begegne ich allerdings welchen, die ziemlich viel machen.
Sie posten. Sie verschicken Newsletter. Sie pflegen ihre Website. Sie schreiben Pressemitteilungen. Sie sitzen in Redaktionsrunden. Sie diskutieren über LinkedIn, Instagram oder TikTok. Und irgendwann entsteht dieses diffuse Gefühl:
Wir tun ständig etwas – aber bringt uns das eigentlich weiter?
Das ist oft der Moment, in dem eine Beratung weiterhelfen kann. Nicht, weil jemand von außen erklären müsste, wie Kommunikation „richtig“ geht. Sondern weil es hilfreich sein kann, einmal nicht mitten im täglichen Betrieb zu stehen.
Mich interessiert zuerst, was nicht funktioniert
Ich beginne eine Beratung selten mit der Frage, was noch dazukommen könnte.
Mich interessiert eher:
- Wo hakt es?
- Was kostet überproportional viel Zeit?
- Welche Aufgaben werden immer wieder vertagt?
- Was macht niemand gern?
- Welche Kanäle laufen eigentlich nur weiter, weil sie schon immer da waren?
- Und bei welchen Dingen weiß im Team niemand mehr so genau, warum man sie überhaupt macht?
Darin steckt meistens schon ziemlich viel Information.
Denn Kommunikationsprobleme sind nicht automatisch Contentprobleme.
Manchmal fehlen klare Zuständigkeiten. Manchmal stimmt die Ansprache nicht mehr. Manchmal hat eine Organisation ihre Angebote verändert, aber die Website erzählt noch die alte Geschichte. Manchmal soll Social Media etwas lösen, was eigentlich eine strategische Frage ist.
Und gelegentlich ist die beste Idee schlicht: aufhören.
Kommunikation ist keine Fleißaufgabe
Gerade kleine Organisationen, Verbände, Kulturbetriebe, Selbstständige und Unternehmen geraten schnell in eine merkwürdige Logik.
- Mehr Sichtbarkeit bedeutet mehr Posts.
- Mehr Reichweite bedeutet mehr Kanäle.
- Mehr Presse bedeutet mehr Pressemitteilungen.
- Mehr Professionalität bedeutet noch ein Tool, noch ein Format, noch eine Plattform.
Das halte ich für einen ziemlich anstrengenden Irrtum. Kommunikation wird nicht automatisch besser, wenn sie mehr wird. Manchmal wird sie nur mehr.
Deshalb schaue ich in Beratungen sehr genau darauf, wo Aufwand und Wirkung überhaupt noch zusammenpassen.
Was soll am Ende passieren?
Diese Frage klingt banal, wird aber erstaunlich selten gestellt.
- Soll die Pressearbeit mehr Berichterstattung bringen?
- Soll Social Media tatsächlich Reichweite schaffen – oder vor allem bestehende Kontakte halten?
- Soll die Website verkaufen, informieren, Vertrauen schaffen oder für Journalist*innen funktionieren?
- Sollen mehr Menschen eine Veranstaltung besuchen?
- Oder soll endlich klar werden, wofür eine Organisation eigentlich steht?
Je genauer das Ziel ist, desto leichter lässt sich entscheiden, was sinnvoll ist.
Und was nicht.
Ich glaube an Lösungen, die man auch am Dienstagvormittag noch umsetzen kann
Strategien können sehr beeindruckend aussehen.
Zwölf Zielgruppen. Sieben Personas. Fünf Kanäle. Drei Content-Säulen. Ein Redaktionsplan bis Weihnachten.
Und dann kommt Dienstagvormittag.
Zwei Kolleg*innen sind krank, eine Veranstaltung muss vorbereitet werden, die Website spinnt und jemand fragt, wer heute eigentlich Instagram macht.
Mich interessiert deshalb nicht nur, was theoretisch sinnvoll wäre. Mich interessiert, was unter realen Bedingungen funktioniert.
- Wie viel Zeit ist da?
- Wer kann was?
- Welche Aufgaben lassen sich verbinden?
- Was kann wiederverwendet werden?
- Was lässt sich vereinfachen?
- Und welche Maßnahmen haben tatsächlich Priorität?
Das Ergebnis muss nicht maximal sein. Es muss tragfähig sein.
Erfahrung hilft vor allem beim Weglassen
Ich arbeite seit vielen Jahren in Pressearbeit, Social Media, Redaktion, Websites und Kommunikationsplanung.
Das bedeutet nicht, dass ich für alles dieselbe Lösung habe. Eher im Gegenteil. Mit der Zeit lernt man ziemlich gut, welche Dinge wahrscheinlich nichts bringen. Welche Pressemitteilung niemand lesen wird. Welche Social-Media-Idee im Alltag nicht durchzuhalten ist. Welche Website-Texte niemand versteht. Welche vermeintlich unverzichtbare Maßnahme getrost gestrichen werden kann.
Beratung heißt für mich deshalb nicht nur, neue Ideen zu entwickeln.
Oft geht es darum, Komplexität herauszunehmen.
Einmal alles auf den Tisch
Manchmal reicht dafür schon ein Kommunikations-Check.
Website. Pressearbeit. Social Media. Newsletter. Inhalte. Abläufe. Zuständigkeiten. Nicht als Prüfung mit roten Häkchen. Sondern als gemeinsame Bestandsaufnahme:
Was trägt? Was stört? Was fehlt? Und was können wir uns sparen?
Daraus können konkrete nächste Schritte entstehen. Oder eine größere Strategie. Oder die Erkenntnis, dass eigentlich gar nicht so viel verändert werden muss wie gedacht.
Auch das kann ein gutes Ergebnis sein.
Beratung heißt für mich nicht: Ich weiß es besser.
Die Menschen, mit denen ich arbeite, kennen ihre Organisation, ihr Publikum, ihre Branche und ihren Alltag besser als ich.
Ich bringe etwas anderes mit:
Abstand.
Erfahrung.
Fragen.
Und einen Blick dafür, wo Kommunikation unnötig kompliziert geworden ist. Ich will nicht, dass nach einer Beratung alles nach mir aussieht. Ich möchte, dass es wieder besser zu denen passt, die damit arbeiten müssen.
Und wenn am Ende weniger auf der To-do-Liste steht als vorher, ist das möglicherweise ein ziemlich gutes Zeichen.

















