Fähnchen mit stilisierten Monsterchen über einer Menschenmenge im Theaterfoyer.
AUGENBLICK MAL! 2025 © Ruth Hundsdoerfer

Echte Beteiligung? Ja, bitte!

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AUGENBLICK MAL! – Das Festival des Theaters für junges Publikum 2025

Sechs Tage Theater. Zehn Gastspiele. 29 Aufführungen. Rund 4.300 Besucher*innen. Aber ein Festival wie AUGENBLICK MAL! lässt sich nicht wirklich in Zahlen erzählen.

Was bleibt, sind vor allem Bilder: volle Foyers und konzentrierte Blicke im Zuschauerraum. Kinder, die sich Festivalräume aneignen. Jugendliche, die diskutieren, organisieren, Fragen stellen und ihre Perspektiven einbringen. Menschen, die nach einer Vorstellung noch lange miteinander sprechen. Karaoke, Monsterkissen, Wikingerschach und Pizza. Begegnungen zwischen Besuchenden aus unterschiedlichen Städten, Ländern und Generationen.

Vom 6. bis 11. Mai 2025 wurde AUGENBLICK MAL! wieder zum Treffpunkt der Darstellenden Künste für junges Publikum. Im Mittelpunkt standen zehn eingeladene Inszenierungen aus ganz Deutschland – und ein Publikum, das bei diesem Festival ausdrücklich mehr sein soll als Publikum.

Denn Theater für junge Menschen zu machen, heißt bei AUGENBLICK MAL! auch, junge Menschen zu beteiligen.

Nicht nur zuschauen

Kinder und Jugendliche waren 2025 an vielen Stellen des Festivals präsent – und zwar nicht erst, als sich die Türen zu den Vorstellungen öffneten. Die Kinder von BLICK’S MAL! und die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von AUGENtagMAL! brachten ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen in die Festivalvorbereitung ein. Sie waren Teil von Prozessen, die sonst häufig Erwachsenen vorbehalten bleiben, und gestalteten das Festival aus ihrer eigenen Perspektive mit.

Damit wird eine Frage ganz praktisch: Wie sieht ein Festival für junges Publikum aus, wenn junge Menschen nicht nur als Zuschauende eingeladen werden, sondern tatsächlich mitreden? Beteiligung bedeutet dabei mehr als ein einzelnes Format im Programm. Sie verändert Blickwinkel. Sie verändert Gespräche. Und sie verändert auch die Frage danach, wer eigentlich Expert*in für Theater für junges Publikum ist.

Junge Perspektiven auf Theater

Während der Festivaltage trafen diese Perspektiven immer wieder aufeinander. In den Vorstellungen. In Gesprächen danach. In den Festivalzentren. Bei rede+zeit und in den vielen spontanen Diskussionen zwischen zwei Programmpunkten. Wie haben Kinder und Jugendliche eine Inszenierung erlebt? Welche Themen beschäftigen sie? Welche ästhetischen Formen funktionieren für sie – und welche vielleicht gerade deshalb, weil sie herausfordern oder irritieren?

Bei AUGENBLICK MAL! stehen diese Fragen nicht neben dem Fachgespräch. Sie gehören hinein. Denn wenn Erwachsene darüber diskutieren, welches Theater junge Menschen brauchen, sollten diejenigen, um die es geht, möglichst nicht fehlen.

Ein Festival über Grenzen hinweg

Mit dem europäischen Projekt ForesTEEN wurde die Jugendbeteiligung 2025 auch international.

Junge Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern kamen in Berlin zusammen, besuchten Aufführungen, lernten einander kennen und tauschten sich über Theater, Festivals und Beteiligung aus. Dabei ging es nicht nur darum, verschiedene Produktionen zu sehen. Es ging auch um die Frage, wie Kulturinstitutionen Räume schaffen können, in denen junge Menschen Verantwortung übernehmen, Entscheidungen mitgestalten und ihre eigenen Themen setzen können.

Aus dem Theaterbesuch wurde so ein europäischer Begegnungsraum und aus dem Festival ein Ort, an dem unterschiedliche Vorstellungen davon zusammenkamen, was Beteiligung eigentlich heißen kann.

Räume, die jungen Menschen gehören dürfen

Dass Beteiligung gelingt, entscheidet sich nicht nur in Gremien, Workshops oder Gesprächsrunden. Auch Räume machen einen Unterschied. Die Festivalzentren im Theater an der Parkaue und im Theater Strahl sollten deshalb nicht nur Orte zum Warten zwischen zwei Vorstellungen sein.

Hier konnte gespielt, gegessen, diskutiert, ausgeruht und einfach Zeit miteinander verbracht werden. Kinder und Jugendliche konnten sich die Räume auf ihre Weise aneignen. Erwachsene und junge Besucher*innen trafen sich nicht ausschließlich in klar verteilten Rollen als Veranstalter*innen, Künstler*innen, Fachpublikum oder Zuschauer*innen.

Manchmal entstehen genau in diesen Zwischenräumen die wichtigsten Begegnungen eines Festivals.

Theater sehen – und darüber reden

Natürlich standen die zehn eingeladenen Inszenierungen im Zentrum von AUGENBLICK MAL! 2025. Sie zeigten, wie unterschiedlich Theater für junges Publikum heute aussehen kann: in seinen Themen, seinen Ästhetiken und seinen Formen. Und sie boten immer wieder Ausgangspunkte für Gespräche zwischen Künstler*innen, Fachpublikum, Kindern und Jugendlichen. Nicht jede Perspektive musste dabei übereinstimmen. Im Gegenteil.

Zu einem Festival gehört auch, dass etwas begeistert, irritiert, Fragen offenlässt oder Widerspruch auslöst. Gerade wenn unterschiedliche Generationen miteinander über Theater sprechen, wird sichtbar, dass es nicht die eine richtige Wahrnehmung gibt.

Auch das ist Beteiligung: ernstnehmen, dass junge Menschen ihre eigenen Urteile haben.

Was bleibt?

AUGENBLICK MAL! 2025 hat einmal mehr gezeigt, wie vielfältig die Darstellenden Künste für junges Publikum sind.

Vor allem aber hat das Festival sichtbar gemacht, dass junges Publikum nicht nur Adressat von Theater sein muss. Kinder und Jugendliche können Gesprächspartner*innen sein. Kritiker*innen. Ideengeber*innen. Mitgestalter*innen.

Das bedeutet nicht, dass nach sechs Festivaltagen alle Fragen rund um Beteiligung beantwortet wären. Im Gegenteil: Wie viel Entscheidungsmacht wird tatsächlich geteilt? Welche jungen Menschen werden erreicht – und welche nicht? Wie können Beteiligungsprozesse langfristig und verbindlich werden? Ein Festival kann solche Fragen nicht abschließend lösen.

Aber es kann Räume schaffen, in denen sie gestellt werden. Es kann ausprobieren. Zuhören. Verantwortung abgeben. Und Erfahrungen sammeln, die über sechs Tage im Mai hinausreichen.

Was außerdem bleibt, sind sehr viele Bilder.

Von den Inszenierungen und den Menschen auf den Bühnen. Von Kindern und Jugendlichen mitten im Festival. Von Diskussionen, Begegnungen, vollen Festivalzentren, ruhigen Augenblicken, großen Gesten, großen und kleinen Monstern und einer langen Partynacht.

Unsere Fotogalerie lädt zu einem Rückblich auf das AUGENBLICK MAL! 2025 ein.

Eine Münze, auf dwer ein Hundegesicht geprägt ist. Darüber steht: WOW!

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